Die jüngste gewählte Geschäftsführerin – ein Interview mit Kim Mares und Erwin Ballis

Auf meiner Recherchetour rund um das Thema wertschätzende Unternehmenskultur bin ich bereits 2016 Erwin Ballis begegnet. Erwin Ballis ist Geschäftsführer der Maschinenringe Deutschland GmbH. Der Diplom-Agraringenieur gilt als Innovator und Visionär innerhalb der Maschinenringe. 2016 wollte er ein Hotel bauen. Das Hotel „Das Acker“ wurde im August 2018 eröffnet. Er hat damit auch ein besonderes Projekt für die Auszubildenden ermöglicht.

 

Lieber Herr Ballis, bei meinem letzten Besuch wollten Sie ein Hotel bauen. Die Eröffnung war jetzt im August. Was hat Sie dazu bewegt, ein Hotel zu bauen?

Erwin Ballis: „Wir haben hier in Neuburg an der Donau 2014 unsere Zentrale gebaut und gleichzeitig wunderbare Konferenzräume erschaffen. Außerdem haben wir eine „Kantine“, die von Spitzenköchen geleitet wird. Seitdem haben wir viele Besucher und viele Veranstaltungen in unseren Räumen. Was fehlte waren Unterkünfte in dieser Anzahl, also haben wir sie gebaut. Jetzt im August haben wir unser Hotel eröffnet.“

Ihre Firmenzentrale hat schon ein beeindruckendes Konzept, welches Ideen haben sie im Hotel verfolgt?

Erwin Ballis: „Wir haben natürlich gemeinsam mit unserem Architekten und dem Innenarchitekten ein ganz besonderes Konzept erarbeitet. Dabei haben wir uns von den verschiedenen handwerklichen Gewerken inspirieren lassen. Alle Elemente zeigen eine hohe handwerkliche Kunst von den verschiedenen Brotsorten, die es zum Frühstück gibt, bis hin zu der Außenfassade, die mit Schattenfuge und diversen Schrägen hohe handwerkliche Fähigkeiten fordert. Hohe Handwerkskunst ist sozusagen die DNA unseres Hotels.“

Im Eingangsbereich haben Sie einen Shop, der von Ihren Auszubildenden geleitet wird. Wie ist diese Idee entstanden?

Erwin Ballis: „Die Auszubildenden sollen in der Theorie ein Unternehmen führen, mit allen Funktionen, die dazugehören. Ich dachte mir, in der Praxis ist besser als in der Theorie. Also habe ich den Auszubildenden angeboten ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Sie haben diese Herausforderung mit Begeisterung angenommen.“

Beim Mittagessen in der Kantine saß Kim Mares am Nachbartisch.

 

„Die Auszubildenden waren vor kurzem der Meinung, dass sie einen Geschäftsführer brauchen, also haben sie einen gewählt. Kim Mares hat die Wahl gewonnen. Damit ist sie die jüngste gewählte Geschäftsführerin Deutschlands.“

Er hat sie gleich zu uns gebeten und sie stand mir für ein Gespräch zur Verfügung.

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Liebe Kim, Du wurdest von den Auszubildenden zur Geschäftsführerin gewählt. Herzlichen Glückwunsch.

Wie war aus deiner Sicht der Start zu dieser besonderen Idee, dass die Auszubildenden einen Shop im Hotel aufbauen und führen?

Kim Mares: „Das hat mit einem Termin mit Herrn Ballis am 17. Januar begonnen. Es hieß nur, es gibt ein neues Azubi-Projekt. Wir wussten überhaupt nicht, worum es geht.

Herr Ballis hat verkündet, dass es im Hotel einen Direktvermarktungsshop geben soll. Er hat uns gefragt, ob wir Lust auf das Projekt hätten.

Wir wussten in dem Moment gar nicht, was auf uns zukommt oder was genau von uns erwartet wir. Aber wir haben alle gesagt: Ja, wir sind dabei!“

Wie viele seid ihr denn?

Kim Mares: „Anfangs waren wir 15, jetzt sind wir 12. Das wechselt immer, weil Neue dazukommen und andere ihre Ausbildung abschließen.“

Wie seid ihr an das Thema herangegangen?

Kim Mares: „Zuerst haben wir überlegt, was überhaupt ein Direktvermarktungsshop ist. Dann haben wir die Schwerpunkte, auf die man achten muss, definiert. Also das waren dann Gruppen wie Marketing und Märkte, Produkte und Leistungen, Verfahren und Abläufe, Standort und Ressourcen, Personal und Arbeit und Geld und Finanzen. Die Azubis haben wir dann zum einen nach Stärken aufgeteilt, aber auch ob jemand einfach Lust hat. Da gab es Leute, die gesagt haben: Ich bin gern kreativ, ich mache mir Gedanken zu Marketing. Andere haben gesagt: Mich würde es total interessieren, wie ein Unternehmen bzw. eine Gründung finanziell und in der Buchhaltung ablaufen.

Über die ganze Zeit hat sich jede Gruppe einmal in der Woche zusammengesetzt und die einzelnen Themen ausgearbeitet.

Dann hatten wir zu den wöchentlichen Terminen in den kleinen Gruppen immer noch einen Termin mit Lena. Lena Maria Fuß Ruß ist die Assistentin der Geschäftsleitung. Sie hat die Projektleitung für unser Projekt übernommen. Dabei haben wir besprochen, wie der Stand der Arbeit in jeder Gruppe ist. Wo es gerade hängt und nicht weiter geht und welche offenen Punkte es gibt, zu denen gemeinsam Entscheidungen getroffen werden müssen.“

Wie ging es weiter? Wie seid ihr zu eurem Konzept und zu euren Produkten gekommen?

Kim Mares: „Das Konzept, da war ich involviert. Das hat die Gruppe Marketing erarbeitet. Wir haben uns in Rücksprache mit unserem Coach zusammengesetzt. Wir wollten das natürlich in Anlehnung an das Hotel machen. Unsere Werte und unser Auftritt sollten schließlich zum Hotel passen.“

Was sind eure Werte, die ihr vertreten wollt?

Kim Mares: „Zum einen ist es die Regionalität, deswegen sind unsere Produkte auch nur aus einem Umkreis von höchstens 30 km. Wir haben viele kleine Hofläden als Partner, weil oftmals kleine Läden Spezialitäten haben, die man gar nicht kennt. Wir wollten keine Standardprodukte, die es überall gibt. Da wir alle aus landwirtschaftlichen Unternehmen kommen, wollten wir natürlich auch die Verbindung zur Landwirtschaft haben.“

Wie habt ihr eure Produkte gefunden und ausgewählt?

Kim Mares: „Wir haben erst einmal eine Umfrage gemacht und haben viele Tipps bekommen, wo Leute gerne privat hingehen. Wer kann uns schließlich bessere Informationen geben, als die zufriedenen Kunden.

Dann haben wir einfach ganz viele Produkte eingekauft und in einem langen Termin mit Herrn Ballis, allen Coaches und allen Azubis getestet. Wir haben darauf geachtet, was uns schmeckt. Das ist uns wichtig.  Wenn wir ein Produkt verkaufen, dann wollen wir auch dahinterstehen.

Am Ende des Tages hatten wir eine Auswahl an Produkten, die wir im Sortiment haben wollten.“

Im August war die Eröffnung des Hotels, d.h. euer Laden ist geöffnet. Wie sind die ersten Erfahrungen?

Kim Mares: „Am 30.9 war der große Tag der offenen Tür für alle Bewohner von Neuburg an der Donau und Umgebung. Das war ein tolles Event und ein voller Erfolg. An diesem Tag haben viele erst einmal das Hotel und natürlich auch uns kennengelernt.

Da konnte jeder ausgewählte Produkte einfach mal probieren. Wir haben die Leute informiert, was wir machen und natürlich auch wer bei uns einkaufen kann. Man muss ja kein Hotelgast sein, um bei uns einkaufen zu können. Wir haben sehr viel gutes Feedback bekommen.“

Wann ist euer Shop geöffnet?

Kim Mares: „Jeden Tag ist von 7.30 bis 9.00 Uhr und von 15.30 bis 17.00 Uhr ist ein Azubi drüben. Jeder hat an einem anderen Tag Berufsschule und wir haben auch noch andere Aufgaben in unserer Ausbildung. Also haben wir dafür einen Prozess definiert und stimmen uns ab, damit diese Zeiten besetzt sind. Wenn wir nicht da sind, betreuen die Mitarbeiter aus dem Hotel den Shop.“

Das klingt gut, liebe Kim. Ich wünsche euch viel Erfolg.

Erwin Ballis ist Geschäftsführer die Maschinenringe Deutschland GmbH. Im April 2016 wurde sein Wirkungskreis vergrößert. Er ist jetzt auch als Geschäftsführer des Bundesverbandes der Maschinenringe e.V. tätig. In dieser Position verantwortet Erwin Ballis die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden und die strategische Entwicklung der Organisation.

Kim Mares macht eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement bei der Maschinenringe Deutschland GmbH, die sie im Sommer 2019 abschließen wird. Die 19jährige ist die erste gewählte Geschäftsführerin für den Direktvermarktungsshop, der von den Auszubildenden im Hotel „Das Acker“ gegründet wurde und geleitet wird.

2018-12-07T09:31:58+00:00November 30th, 2018|

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