Auf meiner Recherchetour rund um die wertschätzende Unternehmenskultur, in der Kreativität möglich ist, bin ich Erwin Ballis begegnet. Erwin Ballis ist Geschäftsführer der Maschinenringe Deutschland GmbH. Der Diplom-Agraringenieur gilt als Innovator und Visionär innerhalb der Maschinenringe.

 

Herr Ballis, ihr Motto lautet: “Alle sagen: Das geht nicht. Dann kam einer, der das nicht wusste, machte es und es ging!“ Sind Sie derjenige, der einfach macht, oder zieht sich das durch das ganze Unternehmen?

Erwin Ballis: „Dieses Motto wurde geprägt, als wir hier in Neuburg an der Donau unser neues Domizil gebaut haben. Es gab viele Hürden, die wir alle genommen haben. Aber wenn ich darüber nachdenke, dann zieht sich diese Haltung durch das ganze Unternehmen und auch durch die Firmengeschichte.

Ein Beispiel: Meine Tochter kam eines Abends von einem Event im Legoland nach Hause und sagte mir, dass das Legoland versteigert wird – für einen Tag. Mir kam gleich die Idee, einen Tag im Legoland, mit den Familien der Landwirte zu organisieren. Also haben wir mitgesteigert und den Zuschlag erhalten.

Dann kam der Haken. Der Tag, den wir ersteigert hatten, war zwei Wochen später. Ins Legoland passen 10000 Menschen. Wir haben hin und her überlegt, wie wir innerhalb von 14 Tagen ein so großes Event auf die Beine stellen sollen und wollten schon aufgeben.

Zwei Mitarbeiterinnen waren aber so begeistert von der Idee, dass sie gesagt haben: „Diese Chance können wir uns nicht entgehen lassen“. Und die zwei haben hauptsächlich in ihrer Freizeit einen tollen Tag organisiert. In 200 Bussen reisten 7500 Gäste an. Es war großartig.

Mit klassischem Projektmanagement wäre das nicht möglich gewesen. Aber mit so viel Begeisterung haben diese beiden Frauen das Unmögliche möglich gemacht.“

 

Sie sagen, dieses Motto zieht sich durch die Firmengeschichte. Welche Beispiele gibt es noch?

Erwin Ballis: „Da können wir bei unserem Firmengründer anfangen. Erich Geiersberger, ein Agrarjournalist, kam vor 60 Jahren auf die Idee der Maschinenringe. Damals waren die Pferdegespanne den Traktoren noch überlegen. Ich erinnere mich an ein Wettpflügen, bei dem mein Vater mitgemacht hat. Er hat mit einem Traktor gegen ein Pferdegespann verloren. Der Boden war zu rutschig für den Traktor.

Und dennoch hat Erwin Geiersberger erkannt, dass die Technik weiter voranschreiten wird. Schneller als man sich das damals so vorgestellt hat. Und er hat erkannt, dass dann die Landwirte mit kleinen Flächen einen deutlichen Wettbewerbsnachteil haben. Das wollte er durch seine Idee der Maschinenringe verhindern. Angefangen hat er in Niederbayern, einer Gegend, in der sich jeder Landwirt selbst seinen Maschinenpark hätte leisten können. Geiersberger war der Meinung, wenn es dort funktioniert, dann geht es auch in anderen Gegenden oder sogar Deutschlandweit.
Inzwischen gibt es Maschinenringe in ganz Europa. Alleine in Deutschland haben wir 250 Maschinenringe. Sharing Economy war die Gründungsidee bei den Maschinenringen und wird hier inzwischen seit 60 Jahren gelebt und zwar bei Maschinen und bei Personal.

Ein weiteres Beispiel war die Liberalisierung des Strommarktes. In den Anfängen gab es noch keine Bundesnetzagentur, die alles geregelt hat. Aber wir wollen für die Landwirte günstigen Strom organisieren, und haben mit den Netzbetreibern verhandelt. Es gab 900 Netzbetreiber und noch keine Vorschriften. Mit allen musste einzeln verhandelt werden. Innerhalb von vier Wochen 25000 Verträge mit Landwirten als Endkunden abgeschlossen.

Wenn wir vorher so genau gewusst hätten, was auf uns zu kommt, hätten wir das wahrscheinlich nicht gemacht. Aber so haben wir uns darauf eingelassen und es ging. Inzwischen haben wir ein eigenes Energieversorgungsunternehmen.“

In unregelmäßigen Abständen führe ich Gespräche mit interessanten Menschen, die einen Beitrag rund um das Thema wertschätzende Unternehmenskultur leisten können. Haben Sie Interesse, darüber informiert werden, sobald ein neues Interview oder spannender Beitrag zu diesem Themenbereich veröffentlicht wird?

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Das Unternehmen ist also bereits aus Gründerzeiten geprägt, neue sich gerade auftuende Chancen zu erkennen und zu nutzen. Haben Sie dafür den Oskar des Mittelstandes erhalten?

Erwin Ballis: „Nun, Sharing Economy war der Beginn der Maschinenringe, mit dem wir angefangen haben. Dann ging es darum, neue Einkommensquellen für Landwirte zu finden.

Da gibt es noch eine „Es geht nicht, aber wir machen es“-Geschichte:

Ein Geschäftsfeld, das wir für die Landwirte erschlossen haben, waren Winterdienste. Dafür haben die Maschinenringe GmbHs gegründet, auch die Maschinenring Deutschland GmbH. Wir haben uns überlegt, wer überregional einen Winterdienst brauchen könnte und kamen auf die Deutsche Bahn mit ihren Bahnhöfen deutschlandweit verteilt. Begonnen haben wir in Baden-Württemberg, da war die GmbH gerade mal 3 Wochen alt.  Der Geschäftsführer, mit dem wir verhandelt haben, fand unsere Idee und unser Konzept interessant, glaubte aber nicht, dass es funktionieren kann. Auf die Frage, was wir tun müssten, um zu zeigen, dass wir das schaffen, sagte er: „In Baden-Württemberg gibt es 700 Bahnhöfe. Wenn Sie mir innerhalb von 14 Tagen für die Hälfte der Bahnhöfe mit diesem Service abdecken können, dann haben Sie den Auftrag.“ Wir haben etwas länger gebraucht: drei Wochen, und in diesen drei Wochen konnten wir den Service für 390 Bahnhöfe sicherstellen.

Dieses Beispiel zeigt unseren Anspruch, dass wir auch strategische Beratung für Landwirte machen. Und dafür haben wir den Oskar des Mittelstandes erhalten.“

 

Und was kommt als nächstes?

Erwin Ballis: „Nun wir bauen nebenan ein Hotel, weil die Bettenkapazität in Neuburg an der Donau für die Besucherzahlen, die zu uns kommen, zu gering war. Und hier in unserem neuen Gebäude haben wir tolle Möglichkeiten für Veranstaltungen.

Und dann haben wir vor drei Wochen ein Projekt gestartet, mit einem Spitzenkoch hier im Haus frisch und hochwertig zu kochen und das zu einem Preis, der in Kantinen üblich ist. Außerdem wollen wir mit dieser Küche, die beste Kantine Deutschlands werden.”

 

Ich habe Ihnen ganz unterschiedliche Fotos mitgebracht. Sie haben u.a. als Bild für Ihre Unternehmenskultur das Bild der Bergsteiger (s.o.) gewählt. Was bedeutet dieses Bild für Sie?

Erwin Ballis: „Dieses Bild habe ich ausgesucht, weil es für mich steht für: Miteinander etwas erreichen wollen, miteinander den nächsten Gipfel zu besteigen und sich gegenseitig zu sichern. Und wenn man auf dem nächsten Berg steht, dann sieht man meistens sogar ganz andere Berge, an die man noch gar nicht gedacht hat.  Und das ist ein wichtiger Punkt, an dem wir immer arbeiten: Welchen nächsten Berg wollen wir besteigen und wie machen wir das? Und was reizt uns dabei?

Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Ansätzen, die den Landwirten helfen, die unseren Service weiter verbessern und die uns die Möglichkeit geben, weiter zu wachsen. Was unser Gebäude betrifft, so haben wir schon weitergedacht. Wir können hier bis zu 500 Arbeitsplätze unterbringen. Und diese zu schaffen, ist eines unserer Ziele.“

 

Vielen Dank, lieber Herr Ballis

Ich freue mich schon auf unsere nächsten Gespräche.

 

 

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Erwin Ballis ist Geschäftsführer die Maschinenringe Deutschland GmbH. Im April 2016 wurde sein Wirkungskreis vergrößert. Er ist jetzt auch als Geschäftsführer des Bundesverbandes der Maschinenringe e.V. tätig. In dieser Position verantwortet Erwin Ballis die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden und die strategische Entwicklung der Organisation.

 

 

 

 

 

 

 

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