Auf meiner Recherchetour rund um wertschätzende Unternehmenskultur bin ich Ulrike Trapp begegnet. Ulrike Trapp ist Geschäftsführerin von Trapp Networks. Die Beratungsgesellschaft bietet u.a. interkulturelles Training. Die Mitarbeiter kommen aus unterschiedlichen Ländern und Kontinenten. Wie geht man mit so viel Unterschieden um? Dieser Frage haben wir uns in diesem Gespräch gewidmet.

Liebe Frau Trapp, Sie pflegen in Ihrem Team den Spruch: „Ich bin genauso anders wie du!“ In Ihrem Unternehmen ist das eindeutig. Ist dieser Satz auch für Unternehmen mit Mitarbeitern z.B. hier aus dem Nürnberger Umfeld von Bedeutung?

Ulrike Trapp: „Wissen Sie, wenn man in andere Kulturen geht, dann ist die Unterschiede offensichtlich. Aber wir haben auch hier in der Region unterschiedliche Kulturen. So gibt es hier z.B. einige Orte, die „Etzel“ in ihrem Namen tragen, z.B.: Etzelwang, Etzelskirchen. Dies geht auf die Hunnen zurück. Und wissen Sie, dass sie in Erlangen die heilige Messe auch auf französisch erleben können? Erlangen ist eine französische Stadt.

Sehr deutlich macht das die Aktion von momondo: Let’s open our world. Momondo hat 67 Menschen aus unterschiedlichen Kontinenten und Ländern eingeladen, über einen DNA-Test mehr über ihre Herkunft zu erfahren (https://youtu.be/7mqWYuKvbXY). Das Ergebnis war für viele sehr überraschend. So hat eine Französin, die in London lebt und sich zu Italien hingezogen fühlt, erfahren, dass ihre Vorfahren aus Großbritannien, Italien und Griechenland stammen – nicht aus Frankreich. Das beeinflusst uns.

Für mich ist das Fazit: Wir sind alle eine bunte Mischung. Und die Herkunft spielt bei der Bewertung von Situationen, bei den Fragen, die wir stellen, bei den Antworten, die wir finden, eine große Rolle.“

In unregelmäßigen Abständen führe ich Gespräche mit interessanten Menschen, die einen Beitrag rund um das Thema wertschätzende Unternehmenskultur leisten können. Haben Sie Interesse, darüber informiert werden, sobald ein neues Interview oder spannender Beitrag zu diesem Themenbereich veröffentlicht wird?

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Als kleines Dankeschön für Ihr Interesse an meinem Blog habe ich eine Werte-Übung für Sie zusammengefasst. Ich selbst habe diese Übung vor 20 Jahren gemacht – mit AHA-Erlebnissen. Das Ergebnis ist heute noch gültig. Welche Werte bewegen Sie?

Nun gibt es Unterschiede zwischen Kulturen, die sind uns bewusst. Das sind die Themen, die in einem interkulturellen Training gelehrt werden.

Ulrike Trapp: „Ja, es gibt typische Eigenarten. Z.B. ist Small Talk im angelsächsischen Raum etwas ganz anderes als in Deutschland. Ich sage das meinen Gästen aus USA oder aus England immer, wenn sie nach Deutschland kommen. Ein Engländer sagt z.B. „How are you?“ und geht dann fröhlich weiter. Für den Engländer ist dieser Gruß ein Signal: „Alles o.k. ich bin dir wohlgesonnen.“ Ein Deutscher ist pikiert, weil der andere nicht einmal die Antwort abwartet. In Deutschland wird mehr Nähe erwartet, d.h. mehr Austausch von Informationen.“

Die bewussten Unterschiede sind einfach. Wenn wir das wissen, können wir uns darauf einstellen. Darüber hinaus gibt es aber auch jede Menge unbewusste Unterschiede.

Ulrike Trapp: „Dann kommt es zum Konflikt. Schwierig ist es vor allem, wenn Menschen ähnlich aussehen. In diesen Fällen gehen wir oft davon aus, dass der andere die gleichen Werte und Vorstellungen hat. Aber das ist natürlich nicht der Fall. Wir sind alle anders. Bei uns im Büro gibt es den Spruch: „Ich bin genauso anders wie Du!“ Wir brauchen bei unbewussten Unterschieden länger bis wir sie erkennen und dann kommt es darauf an, wie wir darauf reagieren. Das kann zu einer guten Konfliktlösung führen, es kann aber auch im Streit enden.“

Sie haben in einem Vortrag eine Geschichte aus ihrer Kindheit erzählt. Sie waren bei ihren Großeltern in Rothenburg ob der Tauber. Als blondes Mädchen hatten Sie besondere Erlebnisse mit den zahlreichen japanischen Gästen, dabei haben Sie etwas Wichtiges gelernt.

Ulrike Trapp: „Oh, ja. Ich habe meine Großmutter gebeten mir etwas Japanisch beizubringen. Ich wollte wissen, wie man sagt: „Bitte Haare nicht ausreißen!“ Ich habe diesen Satz verwendet und er hat geholfen. Man kann in jeder Kultur offen sagen, wenn etwas nicht o.k. ist. Solange man das freundlich sagt, wirkt es immer und wird auch akzeptiert. Wir haben unterschiedliche Vorstellungen darüber, was o.k. ist. In China ist es z.B. verpönt, sich bei Tisch die Nase zu putzen. Hier ist es unhöflich, laut zu schmatzen und in anderen Gegenden ist es etwas anderes unhöflich. Für die Touristen war es nichts Ungewöhnliches, ein paar Haare als Souvenir mitzunehmen. Sie haben es aber akzeptiert, als ich gesagt habe, dass es nicht o.k. ist. Genau das ist im Konflikt wichtig: Wir müssen sagen, was o.k. ist und was nicht und das in einem freundlichen und höflichen Stil. Dann kann der andere es auch annehmen.“

Sie begleiten Verhandlungen, in denen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ein gemeinsames Ziel haben. Sie wollen miteinander ins Geschäft kommen. Welche kulturellen Konflikte fallen Ihnen besonders auf?

Ulrike Trapp: „In Deutschland sprechen wir Themen gerne offen an. Im angelsächsischen werden Konflikte eher angedeutet. Im angelsächsischen sind „offene Ansagen“ oft final und beenden eine Zusammenarbeit. Wenn ein Deutscher sagt: „Um das mal offen zu sagen: …“ dann ist das für ihn eine Einladung zur Klärung. Das ist ein gewaltiger Unterschied: für den einen wird eine Tür geschlossen und der andere versucht die Tür zu öffnen. In solchen Situationen ist jeweils Fingerspitzengefühl und Übersetzung und Interpretation erforderlich, um beide Verhandlungspartner am Tisch zu halten.“

Liebe Frau Trapp, das ist gut zu wissen. Ich danke Ihnen für diese Impulse.

Seit Mitte der 80er Jahre unterstützt die Nürnberger Beratungsgesellschaft Trapp Networks Unternehmen, neue Märkte im In- und Ausland zu erschließen. „Dabei geht es um den Transfer von teilweise sehr heterogenen Technologien mit Wertschöpfung in neuen Märkten“, so Geschäftsführerin Ulrike Trapp. Die Kunden kommen u.a. aus Umwelttechnik, Wasserwirtschaft, Automobilbranche und Medizintechnik.