Auf meiner Recherchetour rund um die kreative Unternehmenskultur als Basis eines gesunden zukunftsfähigen Unternehmens bin ich einem Spezialisten begegnet: Dr. Ronald Heggmaier. Er ist ein Berater mit unglaublich viel Erfahrung darin, neue Strategien, Produkte, Produktionsverfahren in Unternehmen nicht nur zu initiieren, sondern auch erfolgreich umzusetzen. Von ihm wollte ich wissen, wie Unternehmen heute Innovation leben können:

 

Ron, was waren deine tollsten Projekte?

Dr. Ronald Heggmaier: „Das tollste Projekt? Oh, da habe ich viele in den vergangenen 20 Jahren erlebt! Bei mehr als 60 Unternehmen in den unterschiedlichsten Branchen war ich bisher aktiv – da könnte ich tagelang erzählen.

Meine tollsten Projekte haben stets eine nachhaltige, zukunftsgestaltende Wirkung für das Unternehmen, haben Arbeitsplätze und Standorte geschaffen oder erhalten. Die Projekte haben echte Innovationen in Deutschland auf die Straße gebracht. Und sie waren stets ein Erfolg der Teams in den Unternehmen.

Neulich hat mir wieder ein Werkleiter berichtet, dass das sehr gute Firmenergebnis aus diesem Jahr die direkte Folge der Produktlinie ist, die wir zusammen auf den Weg gebracht haben. Das nenne ich ein tolles Projekt!

Und das erlebe ich in vielen Unternehmen: Dass ein Ruck durch die Belegschaft geht und die Mitarbeiter merken, dass sie durch ihre Mitwirkung ihr Unternehmen tatsächlich positiv verändern können! Und das führt oft auch zu einer verbesserten Unternehmenskultur, die sich noch auf die weiteren Themen im Unternehmen positiv auswirkt!“

 

Wie wichtig sind Innovationen für Unternehmen? 

Dr. Ronald Heggmaier: „Diese große Frage mit einem einfachen ‚Sehr wichtig‘ zu beantworten wäre zu kurz gesprungen. Schauen wir uns doch erst einmal an, welche Arten von Unternehmen wir in Deutschland haben: Da gibt es Versorger, u.a. für Strom, Wasser, Gas, Lebensmittel. Dann die Dienstleister, z.B. für Finanzen, Gesundheit, IT, Wohlbefinden. Und die Produzenten, z.B. aus den Bereichen Automotive, Anlagenbau oder Chemie.

Damit es unserer Volkswirtschaft dauerhaft gut geht, ist ein Geldzufluss aus dem Ausland notwendig, d.h. wir brauchen einen Exportüberschuss. Im Jahr 2015 betrug dieser für Deutschland rund 248 Mrd. Euro, d.h. Waren im Wert von 1.196 Milliarden Euro wurden exportiert und Waren im Wert von 948 Milliarden Euro wurden importiert. 2014 waren es 214 Mrd. Euro und 2013 198 Mrd. Euro. Diese stetige Steigerung ist erfreulich, aber kein Grund sich zurückzulehnen.

Denn die Frage, die man hier stellen muss, lautet: ‚Was können wir denn überhaupt exportieren?’ Zudem darf man auch den sehr hohen Anteil der Importe nicht vernachlässigen. Denn das bedeutet, dass deutsche Unternehmen in vielen Bereichen bereits den Wettbewerb verloren haben, so dass Waren aus dem Ausland bezogen werden müssen – von Rohstoffen einmal abgesehen.

Also können wir klassische Produkte wie Autos und Anlagen exportieren. Dienstleistungen nur bedingt. Natürlich können Berater und Wissenschaftler auch im Ausland zum Einsatz kommen, jedoch ist das Potential hierfür im Vergleich zum Rest nicht nennenswert.

Dann betrachten wir Massen- und Konsumgüter. Das ist ein Markt, den wir schon längst verloren haben. Denn unsere hier entwickelten Produkte werden, sobald sie massentauglich sind, kopiert oder imitiert und kommen dann spätestens nach drei bis fünf Jahren aus Niedriglohnländern und überschwemmen unsere eigenen Märkte. Auch unsere Exportprodukte werden sehr rasch substituiert. Nur manche Unternehmen stemmen sich gegen den Trend, wie z.B. der Textilhersteller Trigema, der sich die Produktion in Deutschland auf die Fahne geschrieben hat und damit auch sehr erfolgreich ist.

 

Welche Bedeutung haben also Innovationen?

Dr. Ronald Heggmaier: „Innovationen bringen uns geniale neue Produkte. Und Menschen sind bereit, dafür Geld auszugeben. Innovationen aus der Vergangenheit sichern den Geldzufluss von heute, Innovationen von heute den Geldzufluss von morgen. Insofern sind fehlende Innovationen für die einfachen Gemüter in der Wirtschaft erstmal kein Problem. Es fließt ja noch Geld.

Und morgen? Haben wir z.B. in der Automobilindustrie, unserer stärksten Branche in Deutschland, noch die Nase vorne? Oder haben wir wichtige Trends verschlafen? Verlieren wir hier unsere Führungsposition, so werden die restlichen Branchen nicht in der Lage sein, diese Umsatzeinbußen kurz- und mittelfristig zu kompensieren. Und das wird Auswirkungen auf den Dienstleistungssektor haben. Wer kein entsprechendes Einkommen mehr erzielt, wird auch nicht mehr zum Friseur oder ins Kino gehen. Insofern sind Innovationen nicht nur für die jeweiligen Unternehmen, sondern auch für unser Land von entscheidender Bedeutung, denn wir brauchen auch in der Zukunft Produktionsstätten in Deutschland.“

 

Wie schwierig ist es, Innovationen zu generieren?

Dr. Ronald Heggmaier: „Das Problem unserer Unternehmen ist es, dass sie heute so erfolgreich sind. Wenn Sie auf einer grünen Wiese mit einer neuen Idee und einem daraus resultierenden neuen Produkt starten, sind alle euphorisch, denn jeder kann nur gewinnen.

Haben Sie aber bereits erfolgreiche Produkte auf dem Markt, dann ersetzen die neuen Produkte meistens die bestehenden. Aber die bestehenden Produkte sind immer die Babys und Erfolgsgeschichten von Menschen, die heute in den Unternehmen agieren. Für den Innovator gilt dann: ‚Wer das Neue will, hat alle zum Feind, die vom alten profitieren‘.

Eine neue Produktidee, eine technische Lösung oder eine neue Dienstleistung zu entwickeln, auf die die Welt gewartet hat, ist ein Prozess, der viel Innovationsexpertise braucht: Psychologie, Methoden, Erfahrung, Moderation. Dazu gehört es auch, die Mitarbeiter für Innovationen zu motivieren und das zarte Pflänzchen der neuen Idee durch die komplexen Entscheidungsprozesse in den Unternehmen zu manövrieren. Und dieses Know-how fehlt in vielen Unternehmen. Ach ja: Mut und Risikobereitschaft übrigens auch.“

 

Gibt es Hoffnung?

Dr. Ronald Heggmaier: „Ja, natürlich! Ohne Einschränkung!“

Und wie? Wie können Unternehmen innovativ sein?

Dr. Ronald Heggmaier: „Es gibt sehr viele Wege, wie Unternehmen innovativ sein können. Viele setzen z.B. Methoden ein, um auf neue Ideen zu kommen. Die Methoden alleine sind es aber nicht. Denn: Es gibt kein einziges Unternehmen auf der Welt, das innovativ ist! Es sind immer die Menschen in den Organisationen, die innovativ sind!

Verlieren wir die Menschen, verlieren wir die Innovationskraft. Das haben globale Wettbewerber mittlerweile auch verstanden. Sie kaufen sich deutsche Ingenieure und Koryphäen ein, zahlen ihnen vorzügliche Gehälter und wenn kein Bedarf mehr besteht, werden sie auch wieder entsorgt.

Warum aber gehen diese Menschen von hier weg? Ist es das Geld? Sicher auch. Aber vor allem gehen sie wegen des hohen Grads an Freiheit und Entscheidung, den sie an ihrer neuen Wirkungsstätte vorfinden. Dort sind sie frei von den Gängeleien, denen sie heute in den meisten deutschen Unternehmen ausgesetzt sind. Und hier können unsere Unternehmen, die sich Innovationen wünschen, ansetzen: Sie müssen sich wieder um ihre Talente kümmern und ihnen eine innovationsfreundliche Umgebung schaffen, anstatt sich hauptsächlich nur über ihre EBIT-Wirkung zu unterhalten!“

 

Was müssen wir heute in Unternehmen erreichen?

Dr. Ronald Heggmaier: „Ich durfte schon eine Vielzahl von erfolgreichen Innovationen im Fahrzeugbau, im Anlagenbau und im High-Tech-Bereich begleiten und deren Innovationsprozess moderieren. Drei Erfolgsfaktoren habe ich hierbei erfahren:

Erstens: Eine hervorragende Methodenkompetenz in Sachen Innovation ist notwendig, aber nicht allein entscheidend. Darüber hinaus ist der situative Aspekt der Mitarbeiter zu berücksichtigen. Die richtigen Inspirationen sind zu finden. Dann entstehen besondere Ideen und die Talente der Mitarbeiter werden zu vollem Potential entwickelt.

Zweitens: Die Unternehmen müssen die Trends in Erfahrung bringen, die für ihre Märkte entscheidend sein werden. Hierbei sind es weniger die kurzfristigen Trends sondern vielmehr die Megatrends, die vor allem bei neuen Produktgenerationen von erheblicher Bedeutung sind.

Drittens: Das Menschliche. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist die zielgerichtete Führung der Menschen aus allen Bereichen durch den Prozess der Erkenntnisgewinnung und die fundierte Diskussion in den Entscheidungsgremien. Und diese Diskussionen finden immer auf Vorstandsebene statt.“

 

Warum auf Vorstandsebene?

Dr. Ronald Heggmaier: „Ein neues Produkt bedeutet die Sicherung der Zukunft und das ist höchste Priorität des Vorstands. Dieses Verständnis gerät bei etablierten Unternehmen manchmal in Vergessenheit.

Deshalb bin ich mit meinem Team immer dann besonders erfolgreich, wenn ich alle Ebenen im Unternehmen für das neue Ziel gewinnen kann. Viele Fertigungsstandorte in Deutschland konnten dadurch bereits gerettet werden. Es ist oft unglaublich, was man erreichen kann, wenn plötzlich alle an einem Strang ziehen.“

 

Was bereitet Dir dabei am meisten Freude?

Dr. Ronald Heggmaier: „Mein persönliches Highlight ist es, wenn ich einen Standort erhalten und auch nach Jahren immer wieder auf einen Kaffee vorbeikommen und die Erfolge im wahrsten Sinne des Wortes begreifen kann. Das ist mein ‚Warum‘: echte positive Veränderungen bewirken zu können!“

 

Vielen Dank, lieber Ron!

 

 

Dr. Ronald HeggmaierDr. Ronald Heggmaier ist seit über 25 Jahren in der Wirtschaft tätig. Er ist Experte für die Optimierung von Strategien, Produkten, Prozessen und Produktionen. Als Berater konzipiert und implementiert er Entwicklungsprozesse sowie Optimierungsprogramme bei Unternehmen, die sich für den Erfolg von morgen rüsten wollen. Bei seinen Einsätzen in mehr als 60 Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen gewann er detaillierte Einblicke in Abläufe und Entscheidungsprozesse von großen und mittelständischen Organisationen.

In seinem Vortrag: „Strategien, Konzepte und Methoden – Im Mittelpunkt bleibt der Mensch. Oder warum Sie manchmal so lange auf Ihren Sportwagen warten müssen!“ entführt er seine Zuhörer auf eine unterhaltsame Reise durch die abenteuerliche Welt der Stolpersteine, über die die Manager von heute auf ihrem Weg zu „The Next Big Thing“ fallen. Und er zeigt auf, wie Unternehmen sich so aufstellen können, dass sie auch in Zukunft die Nase vorne haben werden.  www.cemitt.de