Was macht ein Feelgood-Manager? – Ein Interview mit Monika Kraus-Wildegger

Auf meiner Recherchetour rund um das Thema „wertschätzende Unternehmenskultur“ bin ich Monika Kraus-Wildegger begegnet. Monika Kraus-Wildegger hat in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut den Qualitätsstandard für das Berufsprofil des Feelgood Managers entwickelt und ist Anbieter der GOODplace Certified Feelgood Manager Ausbildung.

Was macht ein Feelgood Manager? Und was haben Unternehmen davon? Sie hat mir diese Fragen beantwortet.

Liebe Monika, was macht ihr und was ist überhaupt Feelgood?

Monika Kraus-Wildegger: „GOODplace ist ein Unternehmen, das sich im Spannungsverhältnis von Unternehmenskultur und Feelgood-Kultur beschäftigt. Spannungsverhältnis deshalb, weil nicht jede Unternehmenskultur eine Feelgood-und Wertschätzungskultur ist. Wir helfen Unternehmen, systematisch eine authentische Wertschätzungskultur zu erschaffen.

Das Thema „Feelgood“ gibt es schon länger. Es geht auf Google zurück. Google USA nennt es Corporate Happiness.

Wir haben ein Konzept entwickelt, wie Wertschätzungskultur in Unternehmen systematisch gestaltet werden kann. Dabei betrachten wir die Kultur aus der Sicht von Wissensarbeitern –  nicht aus Sicht des Unternehmens.Der Mensch muss sich im  Unternehmen wohlfühlen und Rahmenbedingungen finden, in denen er leistungsfähig und kreativ sein kann.

Unsere Kunden reden nicht nur über Feelgood Kultur, machen ein Kick Off und das war es. Sie schaffen positive Kultur mit System. Dafür werden Rahmenbedingungen aufgebaut, die sich an den Mitarbeiter-Bedürfnissen orientieren und sicherstellen, dass Werte und Kultur nachhaltig gelebt werden. Ändern sich Bedürfnisse oder auch Werte werden in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess Anpassungen vorgenommen. So passt die Kultur immer zum Unternehmen, zu seinen Mitarbeitern und seinen Werten.

Eine weit verbreitete Meinung ist: Feelgood, das ist doch der Obstkorb, Gesundheitsmanagement, Yoga, die kostenlose Rückenschule von der Krankenkasse und ein bisschen Eventmanagement. Das entspricht nicht unserem Qualitätsanspruch.

Das Bild oben zeigt unsere Definition von Feelgood-Kultur. All diese einzelnen Subkulturen führen in ihrer Gesamtheit zur Feelgood Kultur. In jedem Unternehmen in unterschiedlicher Ausprägung, je nachdem wo das Unternehmen gerade steht. Das geht von der Willkommenskultur bis zur Abschiedskultur. Das geht von der Wertschätzungskultur bis hin zur Experimentierkultur. Wir nennen es auch nicht Fehlerkultur, es ist immer auch eine Frage der Wortwahl. Die zahlt natürlich auch in die Vertrauenskultur ein.

Auf der Basis dieser Definition haben wir einen Qualitätsrahmen entwickelt – basierend auf den Bedürfnissen der Kopfarbeiter. Wir haben auf Barcamps dazu viele Befragungen gemacht, aus denen sich acht Themen herauskristallisiert haben, die für Wissensarbeiter heute wichtig sind.

Um sicherzustellen, dass der Qualitätsstandard für Feelgood Kultur in Unternehmen  erfolgreich umgesetzt werden  kann, haben wir mit der Fachausbildung zum Feelgood Manager die  Voraussetzung für eine erfolgreiche Implementierung geschaffen.”

Und was macht ein Feelgood-Manager?

Monika Kraus-Wildegger: „Der Feelgood-Manager hat die Aufgabe ein Feelgood  Management System zu etablieren. Die Job-Bezeichnungen für diese neue Rolle variieren je nach Unternehmen von Feelgood Manager, Culture Coordinator, Kulturbotschafter, Kulturgestalter, Wertschätzungsbeauftragter. Wichtig für die Akzeptanz ist, die Bezeichnung muss zur Unternehmenskultur passen.

Unser Qualitätsanspruch für den Feelgood-Manager ist, dass er oder sie ein Arbeitsumfeld gestaltet, das den Bedürfnissen der Mitarbeiter entspricht. Er oder sie ist nicht Sorger, Kümmerer, gute Seele oder „Hotel Mama im Büro“ nach dem Motto „ich weiss, was für dich gut ist“.

Der FeelgoodManager baut Feedback-Kanäle auf, ermittelt Feelgood-Themen durch Mitarbeiter-Umfragen, initiiert Maßnahmen mit Mitarbeiter-Beteiligung, hält nach, optimiert und gibt frische Impulse.

Die Ausbildung ist berufsbegleitend und hat vier Stufen. Sie ist nicht nur theoretisch, sondern sehr praktisch auf das Unternehmen zugeschnitten. Bereits in der zweiten Stufe wird ein Feelgood-Kultur-Managementkonzept für das Unternehmen erarbeitet. Die Teilnehmer machen eine Analyse der Mitarbeiterbedarfe, werten diese aus, wählen die geeigneten Kommunikations- und Feedback-Kanäle, entwickeln Maßnahmen für die Einführung und die weitere Planung.

Dieser Kulturbeauftragte stellt zu Beginn die Frage: „Was brauchst du, lieber Mitarbeiter, um hier einen guten Job machen zu können?“

Auf diese Frage kommen echte Antworten, wirkliche Bedürfnisse. Der Obstkorb ist sicher auch gut, aber er kommt nicht an erster Stelle.  Es kann sein, dass ein paar Themen kommen, die nicht einfach umzusetzen sind: Wertschätzung, Anerkennung, Offenheit, Transparenz, Führung. Unsere Erfahrung, in fast allen Unternehmen ist: Hier noch Luft nach oben.

Wir betrachten Feelgood-Kultur-Management als neue Disziplin der modernen Arbeitswelt, die den Menschen in Unternehmen ein wertschätzendes Gestaltungs- und Arbeitsumfeld bietet. Der Mitarbeiter hat mehr Freiräume, darf mehr Selbstverantwortung übernehmen, arbeitet im Team selbstgesteuert. Diese Arbeitsweise kommt ursprünglich aus der IT und wird agiles Arbeiten genannt.”

In unregelmäßigen Abständen führe ich Gespräche mit interessanten Menschen, die einen Beitrag rund um das Thema wertschätzende Unternehmenskultur leisten können. Haben Sie Interesse, darüber informiert werden, sobald ein neues Interview oder spannender Beitrag zu diesem Themenbereich veröffentlicht wird?

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Jetzt sind schon Stichworte gefallen wie agiles Arbeiten, Wissensarbeiter. Für wen arbeitet ihr? Wer sind eure Kunden?

Monika Kraus-Wildegger: „Unsere Kunden sind Firmen, die wissen, dass sich ihr Markt und Geschäftsmodelle verändern, Stichwort digitale Transformation. Wenn sie auf den Markt schnell reagieren wollen, müssen sie auch ihre Kultur verändern. Sie wollen und müssen agiler werden, brauchen schneller Innovationen, brauchen eine Experimentier- und Lernkultur statt eine Bewahrerkultur. Andere Unternehmen sagen:
Wir haben viel Geld ausgegeben, wir haben dieses und jenes gemacht, die Stimmung ist schlecht, der Flurfunk nimmt überhand , die Fluktuation ist hoch und wir wissen nicht mal, weshalb.

Heute gilt mehr denn je, Unternehmen sind nur so gut wie ihre Mitarbeiter. 

Unsere Kunden kommen häufig aus dem agilen Umfeld, weil dort das Verständnis von modernen Arbeitsweisen ausgeprägt ist und der Mensch eine ganz andere Wertschätzung erfährt. Agiles Arbeiten ist in der IT sehr erfolgreich und erreicht zunehmend andere Branchen.”

Ist dann Feelgood-Management schwerpunktmäßig eine Methode für IT-Unternehmen?

Monika Kraus-Wildegger: „Wir haben aber auch ganz andere Branchen. Ich kann ein paar Beispiele nennen:

Die Kartenmacherei ist ein Münchener E-Commerce-Unternehmen das indivdualisierte Grußkarten für jeden Anlass bietet. Dieses Unternehmen ist sehr stark auf Wachstumskurs. Sie brauchen gute Leute und das an zwei Standorten. In München ist der Hauptsitz und in Hamburg sitzt die IT. Sie haben für beide Standorte das Kulturthema Feelgood-Management für sich entdeckt. Sie wollen sich von der Organisation in allen Bereichen agiler aufstellen – nicht nur in der IT.

Ein anderes Beispiel ist die Hamburger Sparkasse.  Ein Filialleiter hat als erster die Initiative ergriffen und die Ausbildung gemacht. Inzwischen bilden wir dort  bereits mehrere Feelgood-Manager aus. Banken müssen sich ändern und er wollte mit seiner Filiale nahbarer werden, dabei sind ganz tolle Konzepte entstanden. Der Filialleiter, den wir zum Feelgood-Manager ausgebildet haben, verantwortet z.B. die erste Azubi-Filiale. Diese Filiale wird komplett nur von Azubis verantwortet, auch die Filialleitung. Gecoacht werden die Azubis von einem erfahrenen Kollegen. Das kommt großartig an, sowohl beim Kunden wie auch bei den  Auszubildenden.

Ein anderes Konzept ist die Filiale der Zukunft, das ist eine Haspa Filiale, in der neben Bankgeschäften bei einer Tasse Kaffee verweilt werden kann. Nachbarschafts-Initiativen haben die Möglichkeit sich zu treffen, auch mancher Home-Office Arbeiter ist eingeladen mit seinem Laptop mal einen Tapetenwechsel zu machen. Da gibt es eine Kaffeemaschine, man kann gemütlich zusammensitzen und plaudern. Alles aus dem ganz regionalen Umfeld, weil eine Filiale immer sehr regional agiert.

Dann haben wir auch große Konzerne wie die Lufthansa Systems, das ist der IT-Teil der gesamten Lufthansa, wo wir eine Feelgood-Managerin ausgebildet haben, die Referentin der Geschäftsleitung ist. Die Lufthansa Systems ist kürzlich in ein modernes Gebäude mit offenen Arbeitswelten umgezogen. Damit einhergehend verändert sich auch die Kultur der Zusammenarbeit. Feelgood Management nimmt hier eine wichtige Rolle als Gestalter und Begleiter ein.”

Du hast jetzt einmal den Filialleiter, dann eine Referentin der Geschäftsleitung genannt. Wer macht typischerweise die Ausbildung?

Monika Kraus-Wildegger: „Das ist ziemlich unterschiedlich. Teilnehmer für die Feelgood-Manager Ausbildung kommen aus Unternehmen oder Organisationseinheiten, in der ihre Führungkraft eine hohe Offenheit und Reifegrad zum Thema Kultur hat. Als Teilnehmer haben wir sowohl Geschäftsleitung, Projektleiter, Office Manager, Kommunikations Manager, Personalverantwortliche bis  Assistenz der Geschäftsleitung. Meist sind es Menschen, die extrem gut verankert sind im Unternehmen. Die kennt jeder.“

Es gibt ganz viele Kulturinitiativen und auch viele, die nicht funktionieren. Was ist das Geheimnis Eures Ansatzes? Warum funktioniert dieser Kulturwandel?

Monika Kraus-Wildegger „Feelgood Manager haben das Mandat der Geschäftsführung und fragen: Was brauchst du, lieber Mitarbeiter, um hier einen guten Job machen zu können. Diese Frage zeigt die wertschätzende Haltung dahinter, hier hat keiner Angst, das ist kein Change. Aus Unternehmenssicht braucht es Mut zu sagen, wir trauen uns jetzt mal was. Wir stellen wirklich diese Frage und versuchen unseren Mitarbeitenden auf Augenhöhe zu begegnen.“

Und wie geht es weiter? Wie sieht die Zukunft aus?

Monika Kraus-Wildegger: „Der Managementexperte Reinhard Sprenger, den ich sehr schätze, hat gerade ein neues Buch geschrieben: Radikal digital, die Wiedererkennung des Menschen. Mit Digitalisierung der Technik wird vieles automatisiert. Jedoch für Themen, die zukünftig Wertschöpfung bringen, brauchen wir Mitarbeiter, die kreativ sind, kooperieren und den Kunden im Blick haben, Wenn Firmen die drei Ks: Kunde, Kooperation und Kreativität im Blick haben und als Stärke pflegen, werden sie auch in Zukunft erfolgreich sein. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch Mitarbeiter mit seinen psychosozialen Fähigkeiten, wie Emphatie, Fingerspitzengefühl und Kreativität. Das sind beste Zukunftsaussichten für Feelgood Manager.”

Vielen Dank für diesen spannenden Einblick, liebe Monika.

Monika Kraus-Wildegger hat GOODplace gegründet und das System Feelgood Management entwickelt.

 GOODplace – feel good makes work a good place.

Leistung muss sich nicht nur lohnen, sie darf auch Spaß machen! Immer mehr Menschen engagieren sich dafür, Arbeit neu und anders zu denken. GOODplace vernetzt diese Power – bietet die Fachausbildung zum zertifizierten Feelgood-Manager, Beratung und zahlreiche Fortbildungs- und Vernetzungsformate zu Feelgood Management an.

Die nächste Ausbildung zum Feelgood Manager startet am 4. Juni 2018.

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2018-05-02T10:52:00+00:00 Mai 2nd, 2018|

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