Vertrauensarbeitszeit und –ort – Ein Interview mit Anna Kopp

Auf meiner Recherchetour rund um eine wertschätzende Unternehmenskultur bin ich Anna Kopp begegnet. Anna Kopp ist Head of IT bei Microsoft Deutschland. Auf einer Veranstaltung mit dem womans business club hat sie uns eine Einführung in die Arbeitswelt von Microsoft in München gegeben. Vertrauensarbeitszeit und –ort spielen dabei die zentrale Rolle. Das hat mich neugierig gemacht.

Liebe Anna, ihr habt bei Microsoft in Deutschland Vertrauensarbeitszeit und Vertrauensarbeitsort, d.h. die Mitarbeiter können entscheiden wann sie arbeiten und wo sie arbeiten. Wie seid ihr dazu gekommen?

Anna Kopp: „Das war ein langer Prozess. Es ging schon vor acht Jahren los. Damals kamen die ersten Laptops im Vertrieb, dann gab es immer mehr Laptops auch in anderen Bereichen. Im Vertrieb ist ja klar, dass die Mitarbeiter viel unterwegs sind, bei den anderen Funktionen ist das nicht so. Durch die Laptops kam mit der Zeit auch bei den anderen die Frage auf: „Kann ich das nicht auch von zuhause machen?“ Im ersten Schritt gab es einen Tag Home Office alle zwei Wochen. Mehr Vertrauen war zu der Zeit noch nicht da. Nach einer Weile wurde das erweitert, da war schon ein Tag Home Office jede Woche möglich.

Das heißt, dieses Thema ist langsam gewachsen. Das Vertrauen wurde sukzessive aufgebaut.

Anna Kopp: „Ja, das hat sich über ein paar Jahre entwickelt. Und vor vier Jahren war es dann soweit. Dr. Elke Frank, Senior Director Human Resources bei Microsoft Deutschland hat sich das Thema auf die Fahnen geschrieben und die Vertrauensarbeitszeit und den Vertrauensarbeitsort mit dem Betriebsrat verhandelt und eine wunderbare Lösung gefunden.

Sie hat darüber auch ein Buch geschrieben, das unsere Kultur hier bei Microsoft sehr gut beschreibt: „Out of Office – Warum wir die Arbeit neu erfinden müssen“.

In unregelmäßigen Abständen führe ich Gespräche mit interessanten Menschen, die einen Beitrag rund um das Thema wertschätzende Unternehmenskultur leisten können. Haben Sie Interesse, darüber informiert werden, sobald ein neues Interview oder spannender Beitrag zu diesem Themenbereich veröffentlicht wird?

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Yahoo hat Home Office wieder abgeschafft. Was macht ihr anders?

Anna Kopp: ”Ja, Marissa Mayer hat Home Office wieder abgeschafft. Sie führte als Grund an, dass man körperlich in der Firma anwesend sein müsse, um erfolgreich zum Wohle des Unternehmens arbeiten zu können.

Klar kann man im Team eher Ideen spinnen. Das macht Spaß. Wobei historisch betrachtet die besten Ideen von „einsamen“ Genies entwickelt wurden. Man braucht beides. Für Innovationen und insbesondere in Krisensituationen braucht man die Ideen von vielen.

Vertrauensarbeitsort bedeutet ja nicht, dass die Mitarbeiter sich nicht mehr begegnen. Im Gegenteil: Wenn ich eine gute Kultur habe, wenn es Teamgeist gibt, dann gehe ich auch gerne in die Arbeit. Bei uns klappt die Abstimmung. Wir verabreden uns hier, wenn wir gerade an einem Thema zusammenarbeiten. Mit unserem neuen Gebäude wurden dafür wunderbare Möglichkeiten geschaffen. Wir haben ganz unterschiedliche Zonen eingerichtet.  Wir können im stillen Kämmerchen telefonieren. Wir haben Arbeitsplätze für konzentriertes Arbeiten, da herrscht Stille. Wir haben Gruppenarbeitsplätze und Bereiche für kreatives Arbeiten. Wer hat schon zuhause so einen großen Screen wie den Surface Hub.

Wir haben auch Mitarbeiter, die gerne einen festen Arbeitsplatz haben, die lieber jeden Tag in die Firma kommen. Das geht ja auch noch. Vertrauensarbeitsort bedeutet, ich kann als Mitarbeiter selbst entscheiden, was jetzt das Richtige ist.

Ich glaube, Home Office funktioniert nicht, wenn eine schlechte Stimmung im Unternehmen herrscht. Wenn die Mitarbeiter lieber zu Hause bleiben, um den anderen oder dem Vorgesetzten nicht zu begegnen, dann geht es nicht.  Wenn ich eine gute kreative Atmosphäre habe und ein gutes Team, dann klappt auch die Zusammenarbeit und Abstimmung.“

Wie schafft ihr diese Atmosphäre? Wie fördert ihr diesen Teamgeist?

Anna Kopp: „Zum einen haben wir haben alle unsere individuellen Ziele und quartalsweise Gespräche darüber. Das ist übrigens ein wichtiges Element für die Führung von verstreut arbeitenden Teams. Wir sprechen alle drei Monate über die Ziele und was jeder braucht und was geändert werden muss.

Daneben haben wir noch zwei weitere Säulen, die das Miteinander fördern. Für die Bewertung deiner Leistung zählt, ob du etwas von anderen übernommen hast oder ob andere eine Idee von dir übernommen haben.

Wenn einer eine gute Idee in seinem Bereich umsetzt. Und ein anderer kommt und sagt: „Das ist prima, das will ich bei mir auch machen.“ Das fördern wir. Damit schaukeln wir uns gegenseitig hoch.

Es entsteht ein intensiver Austausch. Dann heißt es, ich habe dazu eine Präsentation, oder eine App oder ich mache das so und so. Es wird offen darüber gesprochen. Beide Seiten haben etwas davon, derjenige, der gibt, genauso wie der andere, der nimmt.

Für unser Punktesystem zur Bewertung von Leistung geben sich beide gegenseitig Feedback. Nicht selten hat sich dann eine Idee zum best practice entwickelt. Davon haben dann ganz viele etwas. Dieses gegenseitige Inspirieren und Hochschaukeln macht richtig Spaß.

Die zweite Säule sind Awards für abteilungsübergreifende Zusammenarbeit.“

Wie finden sich die abteilungsübergreifenden Teams?

Anna Kopp: „Wir nutzen Yammer, das ist so etwas wie ein internes Facebook. Da werden Ideen gepostet und wenn du Lust hast mitzumachen und einen wertvollen Beitrag leisten kannst, dann nimmst du Kontakt auf.“

Ich habe hier ein paar Bilder mitgebracht. Welche Bilder passen zu der Kultur in deinem Team?

Anna Kopp:

Diese Bild steht für mich für „work hard, play hard“. Und für Diversity. Ich kann nicht erkennen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Sind die Flecken im Gesicht Sommersprossen oder Dreckspritzer? Auf jeden Fall sieht man den Helm, der auf ein hartes Spiel hindeutet, aber gleichzeitig lacht das Kind dahinter.

Und dann die Affen, das ist dieses Füreinander da sein, sich gegenseitig unterstützen, eine enge Gemeinschaft.

Dann dieses Bild. Auch das steht für ganz unterschiedliche Menschen, die zusammen ein Kunstwerk gestalten. Der da hat sicher noch nie mit Fingerfarben gemalt. Aber er macht mit. Und hier sind junge und alte, Frauen und Männer und sie sind voll dabei, voll ins Spiel vertieft.

Es gibt noch so viele Fragen, die mich noch interessieren. Vielleicht können wir dieses Gespräch fortsetzen.

Erst einmal vielen Dank, liebe Anna.

Anna Kopp ist Head of IT bei Microsoft Deutschland und Expertin für die neue Arbeitswelt, IT-Infrastruktur und virtuelle Teams. Sie hält u.a. Vorträge über die neue Arbeitswelt, die Digitale Transformation mit dem Mensch im Fokus und modernes Performance Management in virtuellen Teams.

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren enorm verändert. Transformation ist in aller Munde, aber was genau bedeutet das?

Es geht nicht um Technologie, es geht um die Kultur, die geändert werden muss, um Effizienz zu steigern, neue Talente zu finden und für sich zu gewinnen, aber auch um Freiraum für Kreativität zu finden. Wie soll das gehen, wenn wir immer so viel zu tun haben?

Anna Kopp spricht über eine Welt, in der Arbeit und Leben ineinander fließen, und was in der Firmenphilosophie und persönlichen Einstellung geändert werden muss, wenn jeder von überall und jederzeit arbeiten kann, und wie Technologie diese neue Arbeitswelt unterstützt.
Die Cloud ist nur ein Teil dieser neuen Arbeitswelt. Auch Bewertungssysteme und Kommunikationskanäle müssen sich ändern, wenn man sich in V-Teams organisiert, um die besten Leute an den richtigen Stellen einzusetzen – egal wann und von wo.

Vorankündigung:

Ich plane gerade ein Mastermind-Programm für Frauen in Führungspositionen: Wie Sie mit Ihrem Team Spitzenleistungen erreichen und dabei Spaß haben.

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2017-08-22T17:53:58+00:00 August 22nd, 2017|

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